Mode



Schwarz ist noch immer das neue Schwarz. Das Trinken ist eine Sauerei und Blutflecken lassen sich auf dunklen Stoffen leichter verbergen. So einfach ist das. Aus diesem Grund kehren die Trendsetter der Toreador in der Modebranche jede Saison zu Schwarz zurück. Das bedeutet, dass helle Kleidung, insbesondere weiße, zum Statussymbol wird.

Ein Brujah im weißen Trainingsanzug macht damit deutlich: „Ich bin so geschickt, dass ich nicht einen Tropfen verschütte.“ Aber das Tragen heller Farben ist immer ein Risiko und viele Blutsverwandte halten diese Praxis für problematisch, egal, wie gut sie in diesem Spiel sind.


Mode ist eine Geheimsprache. Genau wie Sterbliche signalisieren Blutsverwandte damit Zugehörigkeit, Haltung und Ideologie, sowohl auf der Straße als auch im Elysium. Ein rosa bedrucktes Kleid schreit für diejenigen, die sich mit der Ikonographie der Clans auskennen, nach „Ich bin eine Diva“ und Kleidung aus Müll und Lumpen kennzeichnet dich als Nosferatu — oder vielleicht als Malkavianer. Ein subtiler Edwardian-Cut des Jackets oder des Pullovers, den man im Alltag unter Sterblichen trägt, dient als Hinweis auf das Alter und das zart erhaltene Kleid von 1905, das man bei Hofe trägt, zeigt den Neugeborenen, dass sie ihre Ältesten respektieren sollen.


Blutsverwandte kleiden sich auf der Straße ganz anders als im Elysium. In der Öffentlichkeit gilt die Maskerade und ein Auftritt wie ein antiquierter Königlicher ist normalerweise eine sehr schlechte Idee. Vampire jagen heimlich. Sie passen sich ihrer Beute an. Die meisten verstecken sich hinter einer menschlichen Identität und alle haben ihr Jagdmuster. Diese beiden Faktoren bestimmen ihr Aussehen auf der Straße.

Ein Einbrecher, der sich von Schlafenden nährt, trägt Turnschuhe und eine schwarze Adidas-Trainingshose mit Kapuzenpulli, aber ein Blutegel mit derselben Vorgehensweise, der sich auf einer psychiatrischen Station ernährt, sieht eher aus wie ein Pfleger.

Eine Szeneprinzessin aus der Psychobilly-Szene braucht jeden Abend eine Stunde für ihre Haartolle und Tattoos, während jemand aus der Minimal-TechnoSzene niemals ein Band-T-Shirt tragen würde und tagsüber von Alpträumen geplagt wird, nicht nach Berghain zu kommen. Nur die Handvoll Blutsverwandte, die noch immer in der Gothic-Szene herumstolzieren, kleiden sich in der Öffentlichkeit wie „Vampire“.

Elysien und Zufluchten sind eine ganz andere Geschichte. In diesen Bereichen, wo die Maskerade nicht gilt, stellen die Blutsverwandten ihr Alter und ihr monströses Wesen zur Schau. Hier herrschen die komplexen neofeudalen Gesetze ihrer Gesellschaft und die Harpyien tragen elisabethanische Kleider oder Haute-Couture-Kreationen, die Lady Gaga nach Luft schnappen lassen würden. Dies ist alles Teil des Spiels um Status. Von der Straße in die Höhle eines Ahnen zu kommen, ist ein demütigendes Erlebnis, vor allem, wenn der Gast in schwarzer Jeans und T-Shirt vor einem zeitlosen Monster in einem kreideweißen Kleid aus menschlicher Haut niederkniet.


Anarchen neigen dazu, die Notwendigkeit des Verschönerns als typisches Camarilla-Ding zu verachten und bleiben stattdessen einem einzigen Stil treu, der sich im Laufe der Jahrzehnte allmählich verändert: eine moderne Straßeninterpretation dessen, was sie sind und ihrer persönlichen Geschichte, wobei sie ihre menschliche Maske sorgfältig pflegen. Baggy Hip-Hop-Mode mit MementoMori-Bling und Holzschnitt Tattoos erinnern die Landsknechte an die 1500er Jahre. Eine Bomberjacke für den Taxifahrer-Mob mit einer Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg. Eine verrostete, punkige Nietenrüstung für den mongolischen Gangrel-Kriegsherren.

Alle Blutsverwandten jedoch lassen die sterbliche Kleidung jedoch untereinander zurück und tragen was sie als das passende für sich ansehen.